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Optimale Vorsorge zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs ? Integrierte Versorgung

Der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen, deutschlandweit erkranken jährlich etwa 8000 Frauen. Aufgrund der langsamen Entwicklung des Zervixkarzinomes, welche mehrere Vorstufen durchläuft, kann die Erkrankung durch einfache Vorsorgeuntersuchungen im besten Fall schon in Vorstadien erkannt werden. Bei allen Frauen soll ab dem 20. Lebensjahr jährlich ein Zellabstrich (Zytologie) aus verschiedenen Bereichen des Gebärmutterhalses entnommen und nach entsprechender Aufarbeitung (sog. PAP-Färbung) mikroskopisch beurteilt werden. Durch dieses Programm ist es nachweislich zu einer signifikanten Senkung der Sterblichkeit und der Häufigkeit des Auftretens eines Gebärmutterhalskrebses gekommen. Dennoch weist die Methode Zytologie und die bisher in Deutschland übliche Organisation der Vorsorge gravierende Mängel auf:

Die Sensitivität der in der Routine durchgeführten Zytologie liegt bei ca. 50 %, d. h., die Mehrzahl der Karzinome und deren direkten Vorstufen wird durch eine einmalige Abstrichentnahme nicht erfasst. Insgesamt nehmen aber 20-40 % aller Frauen nicht regelmäßig, 15-20 % aller Frauen gar nicht an der jährlichen Vorsorge teil.

Derzeit werden jährlich deutschlandweit etwa 18 Millionen Abstriche entnommen. Hiervon werden 500000 bei der Beurteilung als nicht normal eingestuft (PAP IIw-V), nur für die Klassen PAP IV und V ist eine weiterführende Gewebeentnahme zur histologischen Untersuchung zwingend vorgeschrieben. Aus dieser Diskrepanz resultieren zahlreiche Fälle einer Übertherapie mit operativen Eingriffen bei den zumeist jungen Frauen mit noch nicht abgeschlossener Familienplanung oder aber einer Untertherapie mit Entstehung eines Zervixkarzinomes unter ärztlicher Aufsicht.

In den anglo-amerikanischen Ländern bestehen Kolposkopie- und Dysplasiezentren, die unklare oder auffällige Abstrichbefunde minimal-invasiv abklären, oft besteht gleichzeitig die Möglichkeit einer minimal-invasiven Therapie, meist in örtlicher Betäubung. In Deutschland fehlen solche Zentren weitestgehend, unklare Befunde werden wiederholt zytologisch kontrolliert, oder es erfolgt eine Konisation in Vollnarkose.

Essentielle Voraussetzung für die Entstehung eines Zervixkarzinomes ist eine langanhaltende Infektion mit bestimmten Humanen-Papillom-Viren (HPV-Viren). Die meisten Infektionen heilen jedoch spontan folgenlos aus. Das Zeitintervall zwischen Infektion mit HPV-Viren und Entstehung eines invasiven Zervixkarzinomes beträgt 8-50 Jahre.  Die Infektion mit HPV-Viren wird in den bisherigen Vorsorgprogrammen nicht berücksichtigt, der Nachweis oder Ausschluß der Infektion erlaubt aber eine genauere Risikoabschätzung. Bei einer negativen HPV-Testung liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Zervixkarzinom oder dessen Vorstufen vor und wird sich innerhalb der nächsten Jahre nicht entwickeln.

Im Rahmen der integrierten Versorgung wird im Wolfsburger Raum ein neues Vorsorgemodell etabliert, welches eine Kombination aus Zytologie und HPV-Nachweis einsetzt. Hiermit kann die Sicherheit der Vorsorge erhöht und unnötige Diagnostik und Therapie vermieden werden.

Diese innovative Vorsorge kann allen Frauen, die bei der Deutschen BKK versichert sind, ab dem 30. Lebensjahr angeboten werden. Hierzu wird bei der Vorsorgeuntersuchung, die selbstverständlich weiterhin bei ihrem niedergelassenen Frauenarzt in der Praxis durchgeführt wird, ein zytologischer Abstrich entnommen und eine HPV-Testung durchgeführt.

Ergeben HPV-Testung und Zytologie unauffällige Befunde, liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein invasives Zervixkarzinom oder eine Vorstufe vor. In diesem Fall ist ein zytologischer Abstrich bei den weiteren Vorsorgeuntersuchungen für die nächsten 4 Jahre nicht notwendig. Selbstverständlich bleibt die jährliche Vorsorge für Gebärmutter, Eierstöcke und Brust weiterhin bestehen. Nach 5 Jahren werden dann zytologische Untersuchung und HPV-Testung wiederholt.

Fallen ein oder beide Untersuchungen auffällig aus, heißt dies nicht, dass ein Gebärmutterhalskrebs vorliegt. In den meisten Fällen liegen den Auffälligkeiten harmlose Veränderungen zu Grunde, zum Beispiel unspezifische Entzündungs- oder Heilungsprozesse. In solchen Fällen erfolgt die weitergehende Untersuchung im Dysplasiezentrum unserer Frauenklinik, an das Ihr Frauenarzt sie in diesem Fall überweisen wird. Hier bestehen alle Möglichkeiten der minimal-invasiven Diagnostik und Therapie, zum Beispiel unter Einsatz der Kolposkopie und eines Lasergerätes. Das weitere Vorsorgeintervall ist abhängig von den hier erhobenen Befunden.

Sämtliche Maßnahmen in unserem Dysplasiezentrum unterliegen einer definierten Qualitätskontrolle. Durch Erfüllung der strengen Anforderungen wurde dem Dyplasiezentrum der Frauenklinik die Zertifizierung nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe erteilt.

Zusammengefasst:
  • Das im Rahmen der integrierten Versorgung für Patientinnen von Experten entwickelte Vorsorgemodell soll eine mögliche Krebsgefahr erkennen, viele Jahre bevor ein Gebärmutterhalskrebs entstehen kann.
  • Frauen mit unauffälligen Vorsorgebefunden haben für 5 Jahre kein Risiko für diesen Krebs, sollen die jährlich angebotenen Vorsorgeuntersuchungen aber zum Schutz vor anderen Krebsarten weiter wahrnehmen.
  • Auffällige Vorsorgebefunde bedeuten nicht, dass eine Krebserkrankung vorliegt. Es werden aber Untersuchungen veranlasst, die ein mögliches zukünftiges Risiko rechtzeitig erkennen können.
    Selbst bei den wenigen Patientinnen, bei denen tatsächlich eine Krebsvorstufe besteht, kann diese meist schonend minimal-invasiv behandelt werden.
Ein Informationsblatt für Frauen mit auffälligen Vorsorgebefunden können Sie sich hier herunterladen: